Arbeit in geschützter Ernsthaftigkeit

Schulleiter und Lehrkräfte berichten über Erfolge von Schülerinnen und Schülern, die in der diakonischen Einrichtung des Hohbuch-Cafés erste Praktikumserfahrungen sammeln

 

REUTLINGEN.  „Das Essen schmeckt gut“, sagte Jörg Meißnest als Rektor der Ita-Wegman-Schule für Erziehungshilfen am vergangenen Dienstagnachmittag im Hohbuch-Café. Ob er das gesagt hatte, obwohl oder weil seine eigenen Schülerinnen und Schüler das Essen gekocht und serviert hatten? Natürlich, weil sie in der Küche gewirkt hatten, denn: Immerhin kommen täglich um die 50 Personen ins Hohbuch-Café um vor Ort das Essen zu genießen – oder rund ein Drittel seit Beginn der Pandemie die Mahlzeiten auch mitnehmen, wie Beate Schmid als hauswirtschaftliche Betriebsleiterin beim Pressegespräch erläuterte.

„Wir haben durch einen Lieferservice und das Essen ‚to go‘ nicht nur ermöglicht, dass unser Gästestamm uns erhalten bleibt, sondern auch, dass die Schülerinnen und Schüler weiter ihre Praxistage hier machen können“, so Schmid. Seit mittlerweile 13 Jahren existiert das Hohbuch-Café unter dem Dach des Reutlinger Diakonieverbands, „die Einrichtung hat sich zu einem wichtigen Treffpunkt im Quartier entwickelt“, betonte Dr. Joachim Rückle als Geschäftsführer des Diakonieverbands. Von Anfang an war aber auch das Schülerkochprojekt als wesentlicher Teil mit integriert. Und das bedeutet: Drei Schulen schickten von Anfang an Schüler in das Café, um dort über ein Jahr ein Praktikum dort zu machen. Jede Woche einmal gehen rund 25 Jugendliche aus drei verschiedenen Schulen dorthin, zum Teil mit Lehrerbegleitung, zum Teil ohne.

„Aufgrund der schwierigen Corona-Auswirkungen auf viele Schüler, tun ihnen die Praxistage richtig gut und fördern auch die Motivation“, sagte Beate Schmid. Das sieht auch Felix Mezger von der Oberlinschule so: „Für unsere Siebtklässler sind die 2,5 Stunden hier im Café der erste Einstieg in Arbeitssituationen.“ Die meisten Schüler seien anfangs „wenig belastbar, das ändert sich aber schnell“, so der Sonderschullehrer. Die Jungköche würden im geschützten Rahmen schnell lernen, dass sie bis um 11 Uhr 30 mit Kochen fertig sein müssten, „sonst sind die Kunden unzufrieden“. Auch andere Situationen würden die Schüler schnell verstehen – etwa, dass andere die Arbeit übernehmen müssten, wenn der eine oder die andere keine Lust hätte. „Hier kann man sehr schnell sehen, welche Schüler gute Chancen haben, in der achten Klasse ein Praktikum zu machen“, so der Lehrer.

Pünktlichkeit, Genauigkeit, Zuverlässigkeit, Teamarbeit – all diese sogenannten „soft skills“, die allgemein geforderten „weichen“ Fähigkeiten, lernen die Schülerinnen und Schüler im Hohbuch-Café. Beim Kochen, beim Bedienen der Gäste und auch beim Aufräumen und Säubern von Küche und Gastraum. „Mit den Schülern geht hier fast schon eine Wesensveränderung vor sich“, hat Katrin Lenckner von der Ita-Wegman-Schule beobachtet. „Dieser Schonraum, den sie im Café haben, macht sich auch im Schulalltag bemerkbar“, betonte Rektor Meißnest.

Rund 90 Schüler von der Laura-Schradin-Schule (LSS) kommen regelmäßig ins Hohbuch-Café, um an dem Kochprojekt teilzunehmen. Manche seien entwicklungsverzögert, wie Fachlehrerin Margaretha Kleiser berichtete. Für die seien die Anforderungen in einem „normalen“ Praktikum zu hoch – im Hohbuch-Café könnten sie hingegen üben, trainieren. Ohne mit negativen Konsequenzen rechnen zu müssen. „Wenn sie das Café nicht hätten, würden viele Schüler im Praktikum scheitern“, betonte auch Katja Otter von der LSS. Als „geschützte Ernsthaftigkeit“ bezeichnete Schulleiter Norbert Pellens das Hohbuch-Café. „Das hier ist für die Schüler eine wunderbare Möglichkeit, gelingende Praxiserfahrung zu sammeln.“ Katrin Fromm ist in der Ausbildungsvorbereitung an der LSS tätig und sie betonte: „Unseren Schülern gefällt es richtig gut hier.“

 

 

INFO-BOX:

 

Finanzierungsprobleme für das Café

 

Das Hohbuch-Café mit seinem Schüler-Kochprojekt unter dem Dach des Reutlinger Diakonieverbands wird einzig über den Europäischen Sozialfonds gefördert, „aber der Betrag wurde um 20 000 Euro gekürzt“, sagte Dr. Joachim Rückle bei dem Pressegespräch. Noch wichtiger geworden sei deshalb die Unterstützung durch die Gesamtkirchengemeinde und den Hohbuch-Freundeskreis. Aber: Das reiche nicht. Das Café benötige zudem dringend Spenden. Wer die Arbeit unterstützen will, kann dies auf das Konto des Diakonieverbands tun, Stichwort „Hohbuchcafé“, IBAN: DE95 6405 0000 0000 0656 12.

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