Im Sozialen Zentrum des Stadtteils

„Hier trifft sich die Welt“, so lautet das Motto des Reutlinger Hohbuch-Cafés. Und das ist nicht übertrieben, denn: Von Anfang an – also seit mittlerweile zehn Jahren – sollte in dem Projekt des Diakonieverbands Menschen aus den Stadtteilen Hohbuch und Schafstall zusammenkommen. Und somit sozusagen aus aller Herren Länder. „Pfarrer Jörg Mutschler hatte schon lange die Idee einer ‚Suppenschüssel‘ gehabt“, erinnert sich Karin Schenk, die 2007 als Hauswirtschaftsleiterin für das Projekt vom Diakonieverband angestellt wurde. Mutschler wollte die Menschen aus Schafstall und Hohbuch näher zueinander bringen. „Es war ein kleines Experimentierfeld“, sagte der ehemalige Pfarrer bei der Geburtstagsfeier. „Was sich daraus entwickelt hat, hätte ich mir nie erträumen lassen“, so Mutschler.

Neben der Idee der „Suppenschüssel“ stand gleichzeitig ein Wunsch der Schulen im Umfeld des Reutlinger Stadtteils Hohbuch im Raum: Sie hätten gerne „Praxisfelder“ gehabt, wie sich Schenk erinnert. Kombiniert wurde das mit einem „Spätaussiedlerprojekt als Integrationsmaßnahme im Stadtteil“: Dazu gehörte Ferienbetreuung, ein russischer Chor, eine Eltern-Kind-Gruppe, Fahrradwerkstatt und einiges mehr. Vor zehn Jahren konnte schließlich Mutschlers Idee zusammen mit den Lern- und Praxisbereichen für Schüler umgesetzt werden. Im Januar 2008 öffnete dann das Hohbuch-Café im Gemeindezentrum der evangelischen Kirchengemeinde mit den Kooperationspartnern der Bodelschwingh-, Oberlin- und Maybach-Schule. „Es lief gleich gut an“, berichtete Karin Schenk während der Feier zum zehnten Geburtstag. Aus drei Öffnungstagen wurden schnell vier, „der preiswerte und schmackhafte Mittagstisch kam gut an“, sagte Günter Klinger als Geschäftsführer des Diakonieverbands. Die Gästeschar wuchs stetig, heute finden sich Hohbuch- und Schafstall-Bewohner darunter, Studenten und Mitarbeiter der nicht weit entfernten Hochschule sowie Schüler und Besucher des benachbarten Hauses der Familie.

In den zurückliegenden zehn Jahren blieben Veränderungen nicht aus: So lief etwa die Förderung durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BaMF) aus, der Europäische Sozialfonds (ESF) sowie das Jobcenter sprangen ein, um „die Ausbildungsfähigkeit von Schülern und die Integration von Langzeitarbeitslosen zu fördern“, berichtete Klinger. Der Zuschuss der Gesamtkirchengemeinde blieb dem Café erhalten. Karin Schenk erhielt Verstärkung durch zwei weitere hauptamtliche Kräfte, im Januar 2016 stieg die Bodelschwingh-Schule als Partner aus. Dafür kam die Laura-Schradin-Schule mit Berufsvorbereitungsklassen hinzu. Dabei habe sich die Arbeitsweise in der Café-Küche verändert, „Lehrer sind bei den VABO-Klassen nicht mehr dabei, die etwas älteren Schüler werden von den hauptamtlichen Kräften angeleitet und ihnen dabei auch Sprachkenntnisse vermittelt“, so Schenk.

Vergangenes Jahr ist die Förderung durch das Jobcenter wieder weggefallen, „aus rechtlichen Gründen“, so die Café-Hauswirtschaftsleiterin. Eng sei es daraufhin geworden, weil die Zuschüsse von ESF und Gesamtkirchengemeinde nicht ausreichten. Seitdem ist das Projekt vermehrt auf Spenden angewiesen. Und dennoch laute das Fazit nach zehn Jahren Hohbuch-Café: „Es ist immer noch ein tolles Projekt“, sagte Karin Schenk.

Das bestätigte auch Uwe Weber als Leiter des Amts für Schulen, Jugend und Sport von der Stadt Reutlingen während der Feierstunde: Beeindruckend sei, wie sich so manch junger Mensch weiter entwickle, nachdem er oder sie im Hohbuch-Café einige Lebensgrundlagen mitbekommen hätten. „Das sind tolle Wege, trotz der teilweise schweren Voraussetzungen“, so Weber. Immer noch sei der soziale Aufstieg viel zu sehr vom Bildungsstand der Eltern abhängig, aber: „Hier im sozialen Herzen des Hohbuchs wird daran gearbeitet, diese Verbindung zu kappen“, betonte Weber.

Karin Schenk ging nochmals auf das Finanzierungsproblem ein: „Mehr als 4 Euro 50 können wir für ein Essen nicht verlangen, weil wir sonst nicht auf die 40 bis 70 Gäste pro Tag kommen würden“, erläuterte sie. Diese Besucherzahl sei aber notwendig, damit die Schüler in der Küche und im Service beschäftigt seien – um sie entsprechend fördern zu können. „Denn das ist das Hauptziel“, so Schenk. Ein durchweg positives Fazit des Cafés zog der Nachfolger von Jörg Mutschler im Amt des Hohbuch-Pfarrers: „Wenn es dieses Projekt nicht geben würde, müsste man es erfinden“, sagte Michael Dullstein voll des Lobes.

(Artikel aus dem Diakonie-Magazin 1/2018) 

 

 

Reutlinger General-Anzeiger von Montag, 31. Oktober 2011 

 

Hohbuch - Schülerkochprojekt ist finanziell gesichert. Lehrer schwärmen über die Erfolge am Herd und im Service

Wenn Schüler kochen: Schmackhafte Lerneffekte

Von Norbert Leister

REUTLINGEN. Begeisterung hört sich anders an: »Hier sind zu viele Mädchen und zu wenig Jungs«, frotzelt Jan. Er ist 16 Jahre alt - ebenso wie Michael und die Mitschülerinnen der Wilhelm-Maybach-Schule, die jeden Donnerstag im Hohbuch-Café den Kochlöffel schwingen, Gemüse putzen und schneiden, Fleisch anbraten, aus allen Zutaten ein gelungenes Essen zubereiten. »Bedienen ist besser als Karotten oder Kartoffel schälen«, sagen Gilda, Melanie und Manuela, die damit die Meinung fast aller sieben Jugendlichen vertretenDen Grund erläutern Brunhilde Braun, Traudel Iwert und Volkmar Härtel. Sie sind Lehrer an den drei Förderschulen, aus denen ein Schuljahr lang jeweils zehn Schüler an unterschiedlichen Tagen am Kochprojekt teilnehmen. So viel Lob wie hier kriegen die Schülerinnen und Schüler sonst nirgendwo, betont Iwert, die mit Karin Wagner von Anfang das Projekt an der Oberlin-Schule für Erziehungshilfe betreut. 

Unsere Schüler haben selten die Möglichkeit, stolz zu sein. Viel zu oft müssten die Teenager im Alter zwischen 13 und 16 Jahren einstecken. »Hier gewinnen sie hingegen viel Selbstvertrauen", betont Braun von der Wilhelm-Maybach-Schule.
Allerdings müssen sich die Schüler das Lob der Gäste erst verdienen: Wenn die Jugendlichen einmal in der Woche das Essen im Hohbuch-Café zubereiten, geschieht das nach einem festen Plan, sodass alle wissen, was sie zu tun haben. Die Essensliste stellen die Lehrer mit Hauswirtschaftsmeisterin Karin Schenk, die den gastronomischen Betrieb leitet, zusammen. Aufgebracht hatte Pfarrer Jörg Mutschler die Idee des Hohbuch-Cafés vor vier Jahren: Er wollte was für die Wohngegend hier tun, in der viele Aussiedler wohnen, erinnert Schenk an die Anfänge. Jung und Alt, Migranten und Deutsche, Studenten und Spätaussiedler sollten in dem Cafè zusammenkommen. Die Finanzierung des Projekts ist nun weiter gesichert, das Jobcenter gibt genauso Gelder wie der Europäische Sozialfonds. Und das Konzept geht auf: Täglich kommen zwischen 30 und 70 Gäste, lassen sich das Menü schmecken. Bisweilen üben sie aber auch Kritik.
Dabei lernen die Jugendlichen in dem besonderen Café eine ganze Menge, nämlich: frische Grundnahrungsmittel saisongerecht zubereiten, wie Schenk weiß. Weitere Lerneffekte sind Pünktlichkeit, Freundlichkeit gegenüber den Gästen, Durchhaltevermögen, Teamarbeit und noch viel mehr.
Den drei Lehrern ist die Begeisterung für das Kochprojekt deutlich anzumerken. Das macht uns und den Schülern Spaß, sagt Volkmar Härtel von der Bodelschwingh-Schule. Vielleicht wollen die Wilhelm-Maybach-Schüler, die jeden Donnerstag im Hohbuch-Café kochen, das nur nicht zugeben. Immerhin: Einige mögen die Arbeit am Herd denn doch lieber als den Unterricht in der Schule.
Sibel und Antigone wickeln gerade Besteck in Servietten ein und beide betonen, dass sie den Kontakt mit den Besuchern im Café sehr schätzen. In der Küche stehen währenddessen Michael und Jan am Kochtopf, braten Fleisch an, große Gewürzdosen neben sich. Und das klappt tatsächlich? Rund 60 Portionen richtig zu würzen?
Kein Problem, sagt Jan, der offensichtlich den Mund gerne ein bisschen voll nimmt. Ob das auch beim Essen so sein wird? Die Schüler mögen sehr, was sie gekocht haben, wissen die Lehrer aus der Erfahrung der vergangenen Jahre. Und: Die Jugendlichen lernen hier fürs Leben, denn hier wird Realität eingeübt, betont Härtel. Und obendrein haben sie mit dem Gelernten auch noch deutlich bessere Chancen bei der Ausbildungssuche, erläutern die Lehrer. (GEA)

Zwischen Montag, 12. August, und Dienstag, 10. September 2019, ist das Hohbuch-Café geschlossen.

Ab Mittwoch, 11. September, sind die Türen des Cafés...

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Spielenachmittag für Jedermann

Dienstag, 9. Oktober 2018, um 15 Uhr im Hohbuch-Café

Dienstag, 23. Oktober 2018, um 15 Uhr im Hohbuch-Café

Dienstag,...

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